Das Denken in den Epochen
Um die Zukunft zu deuten sollte man die Vergangenheit kennen und verstanden haben.

Der auslösende Gedanke zu den nachfolgenden Ausführungen war der Zweifel daran, ob unsere führende Köpfe (Politiker und Wissenschaftler) aktuell in der Lage sind sich die Zeit nehmen, besser zu geben, um Lösungen zu erdenken und dann auch umzusetzen. Es sieht so aus, als ob nur noch populistische Meinungen vorgetragen werden, die der erhofften Machterhaltung dienen.
Die Resultate zeigen, dass sich kaum Erfolge einstellen wollen. Warum ist das so?

Hier ein Erklärungsversuch über das Denken und die Qualität des Denkens in der Abfolge der Epochen.
Am Schluss wird - durch nachdenken von mir - ein Resümee gezogen.


Vorzeit < 500 v.Chr.: Es wurde kaum gedacht und nicht tief.

Es herrschte die Macht des Stärkeren.
Die Machtausübung geschah durch die Keule und das Schwert.
Die Resultate des Denkens und Handelns waren Kriege. Starke und mächtige Menschen vernichteten schwache Menschen.


Mittelzeit 500 v. Ch. – ca. 1930: Es wurde wenig gedacht. Die wenigen, des Denkens mächtigen Menschen dachten sehr tief.
Es herrschte die Macht der überhöht Mächtigen, deren Macht auf dem Glauben der nicht denkenden Menschne basierte.
Die Machtausübung geschah durch den Glauben, das Schwert/Kanonen und Geld.
Die Resultate des Denkens und Handelns waren Kriege. Mächtige Menschen (an Macht und Geld) vernichteten schwache und starke Menschen und die Natur. Die Mächtigen überlebten meistens.


Neuzeit + Medienzeit, ab ca. 1930 - 1990: Viel kleingeistiges, hermeneutikverseuchtes Denken. Das tiefe Denken verliert sich zusehends.
Indirekte Machtausübung der Mächtigen über die Medien und die Menschen. (Glaube, Macht = Raketen/Medien + Geld) Kriege.
Die Resultate des Denkens und Handelns waren Kriege. Vernichtung von starken und schwachen Menschen und der Natur durch Macht und Geld. Die Mächtigen überleben meistens.

Medienzeit + interaktives Zeitalter, ab ca. 1990 bis heute = 2011: Sehr viel plagiatierendes Scheindenken = googeln = meinen zu denken = man meint, eine eigene Meinung zu haben. Das Denken wird immer weniger.
Indirekte Machtausübung der (immer noch) Mächtigen und Reichen über die Medien. (Glaube, Macht = Raketen / Medien / Internet + Geld) + indirekte Machtausübung der Masse über Facebook/Twitter etc.
Die Resultate des Denkens und Handelns waren Kriege, Vernichtung von starken und schwachen Menschen und der Natur durch Macht und zunehmend durch Geld und Finanzjongleure.
Die Mächtigen sind nicht mehr so sicher auszumachen. Einige Mächtige müssen sich vor der Masse und den Gesetzen beugen.


Zukunft A (Wahrscheinlichkeit hoch): Kaum noch jemand kann denken.
Fast jeder Mensch meint denken zu können. Dabei geben die Menschen, von anderen Menschen Vorgedachtes, als ihre eigene Meinung wieder.
Indirekte Machtausübung von wenigen Mächtigen und Reichen über die Medien auf die Massen. (Glaube, Macht = Medien/Internet + Geld) + scheinbare, indirekte Machtausübung der Masse über Facebook/Twitter etc.
Die Resultate des Denkens und Handelns sind Kriege, Vernichtung von schwachen und sehr schwachen Menschen und der Natur durch initiierende Finanz-Macht und zunehmend durch die zusammenrottende Macht der Einzelnen mittels Medien/Internet.
Die Mächtigen sind kaum noch auszumachen. Das "Mächtig-sein" leben die Massen in Web-Trends aus, die a. gezielt und b. auch zufällig entstehen. Die Masse setzt positive Trends, aber auch extrem negative Trends von geistig und gläubig verwirrten Menschen.


Zukunft B (Wahrscheinlichkeit gering): Das Denken wird gelehrt. Das eigenständige Denken wird über Wissen und Medien gestellt.
Mächtige verlieren ihren Einfluss auf die Masse. Die Masse sucht sich „geistig Mächtige“ um Anregungen für eigenständiges Denken zu bekommen.
Kriege und selbstverursachte Katastrophen (Hungersnöte) werden zunehmend seltener. Die Menschen beginnen auch den Nächsten zu lieben und ihm zu helfen.


Empfehlung:
Siehe auch "Eigenens Denken von Albert Schweitzer" Nr. 143

Epoche Wie und was wird gedacht? Prinzipien des Handelns/Denkens Resultate des Handelns/Denkens
Vorzeit (vor 500 v.Chr.) kaum Macht des Stärkeren (Macht = Keule) Kriege, Vernichtung von schwachen Menschen durch Stärke und Macht.
Mittelzeit (500 v. Ch. – ca. 1930) wenig, dafür großes Denken Überhöhung der Mächtigen (Glaube, Macht = Schwert/Kanonen + Geld) Kriege, Vernichtung von starken und schwachen Menschen und der Natur durch Macht und Geld.Die Mächtigen überleben meistens
Neuzeit + Medienzeit
(ab ca. 1930 - 1990)
viel kleingeistiges, hermeneutikverseuchtes Denken Indirekte Machtausübung der (noch) Mächtigen über die Medien. (Glaube, Macht = Raketen/Medien + Geld) Kriege, Vernichtung von starken und schwachen Menschen und der Natur durch Macht und Geld.
Die Mächtigen überleben meistens.
Medienzeit + interaktives Zeitalter (ab ca. 1990) sehr viel plagiatierendes Mitdenken = googeln = meinen zu denken = man meint, eine eigene Meinung zu haben. Indirekte Machtausübung der (immer noch) Mächtigen und Reichen über die Medien. (Glaube, Macht = Raketen / Medien / Internet + Geld) + indirekte Machtausübung der Masse über Facebook/Twitter etc. Kriege, Vernichtung von starken und schwachen Menschen und der Natur durch Macht und zunehmend durch Geld und Finanzjongleure.
Die Mächtigen sind nicht mehr so sicher auszumachen. Einige Mächtige müssen sich vor der Masse und den Gesetzen beugen.
Zukunft A

(Wahrscheinlichkeit hoch)
Kaum noch jemand kann denken.Fast jeder Mensch meint denken zu können. Dabei geben die Menschen, von anderen Menschen Vorgedachtes, als ihre eigene Meinung wieder. Indirekte Machtausübung von wenigen Mächtigen und Reichen über die Medien auf die Massen. (Glaube, Macht = Medien/Internet + Geld) + scheinbare, indirekte Machtausübung der Masse über Facebook/Twitter/??? Kriege, Vernichtung von schwachen und sehr schwachen Menschen und der Natur durch initiierende Finanz-Macht und zunehmend durch die zusammenrottende Macht der Einzelnen mittels Medien/Internet.
Die Mächtigen sind kaum noch auszumachen.

Die Masse setzt positive Trends, aber auch extrem negative Trends von geistig und gläubig verwirrten Menschen.
Zukunft B

(Wahrscheinlichkeit gering)
Das Denken wird gelehrt. Das eigenständige Denken wird über Wissen und Medien gestellt. Mächtige verlieren ihren Einfluss auf die Masse. Die Masse sucht sich „geistig Mächtige“ um Anregungen für eigenständiges Denken zu bekommen. Kriege und selbstverursachte Katastrophen (Hungersnöte) werden zunehmend seltener. Die Menschen beginnen auch den Nächsten zu lieben und ihm zu helfen.


Resümee zur höchstwahrscheinlichen Zukunft A:

Die Menschen werden – trotz höheren Wissens – trotz besserem Zugang zu sehr viel Wissen – nicht bis kaum noch eigenständig denken können.
Diese Menschen glauben zu wissen und glauben zu denken. Dies stützt den Glauben generell an das Wissen, an den Glauben – und an sich selbst. Letzteres, der Glaube an sich selbst wäre überaus wichtig. Nur, was nützt es, wenn er auf fremdem Wissen basiert, welches man sich irgendwie – über die Schule, über Bücher, über die Medien angeeignet hat.

Die Basis des „an sich Glaubens“ ist das eigenständige Denken.
Nur das führt zu einer eigenständigen Persönlichkeit.
Wie will ich eine Persönlichkeit sein oder werden, wenn ich nicht persönlich denke, sondern statt dessen andere/fremde Gedanken in mein Gehirn einlagere und meine, dass diese Gedanken richtig sind – ohne darüber nachgedacht zu haben?

Was kann man aus dieser Abhandlung herauslesen?

Das eigenständige Denken der Menschen = des Großhirnes begann im Laufe der Evolution - irgend wann einmal - vor tausenden von Jahren.
Zuvor wurde das Großhirn nur von der "Schaltzentrale" Stammhirn dazu benutzt, sich Strategien zurechtzulegen, um die Triebe zu befriedigen.

Über die Zeit (vor ca. 2 - 3.000 Jahren) entwickelte sich in einigen Kulturen ein Denken, welches basierend auf Bewusstein entwickeln und haben, dazu führte, (universell gültige = zeitlose) Erkenntnisse hervorzubringen.

Durch viele Interpretationen dieser universell gültigen = zeitlosen Erkenntnisse entstand die Hermeneutik. -> Nr. 144
Wer die 144 jetzt nicht lesen will hier ein Kurzkommentar dazu: Die Hermeneutik versuchte und versucht immer noch durch Interpretationen universell gültige = zeitlose Erkenntnisse zu optimieren. Das geht nicht. Diejenigen, die Interpretieren, diejenigen haben die einmal ursprünglich formulierten Erkenntnisse nicht verstanden. Das Ergbenis dieses "Nichtverstehens" ist die Hermeneutik.

Zusammen mit dem Kardinalproblem der Menschen "dem blinden Fleck des Denkens" -> siehe Nr. 137 entstand über die letzten Jahrhunderte für den größten Teil der Menschheit eine kaum noch verständliche Philosophie. "Sokrates würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen würde, was aus der Philosophie geworden ist."

In der Neuzeit haben es die Menschen kaum noch nötig ihr Großhirn zu eigenständigem Denken zu benutzen, da sie kaum noch denken brauchen.


Den Menschen wird im 21. Jahrhundert Vieles an Denkarbeit abgenommen,

- wie das Orientieren (das ist das "sich bewusst werden", wo man ist und wo man hin will)
Obwohl, auch hier kann man in den meisten Fällen im weitesten Sinne von einem trieborientiertem Denken, oder einen trieb-initiiiertem Denken sprechen. Warum will oder muss ich wo hin? Zum Beispiel um meinem Streben nach Geld und Macht durch Vereinbaren und Einhalten von Terminen in fremden Orten nachzukommen.

- wie das Erdenken von Neuem (Schreiben einer Doktorarbeit) durch googeln. Auch hier greifen die Prinzipien des Strebens nach Macht und Geld. Wird da noch gedacht? Ich meine: Nein! Hier wird vorhandenes Wissen verquirlt und neu geformt.
Wer solcher Vorgehenden ist sich auch nur annähernd darüber bewusst, was er da macht?

- u.s.w., u.s.w.


Diese letzten Gedanken von mir führen zu meinem Kerngedanken, der hinter dieser Abhandlung "Das Denken in den Epochen" stand:

Die Abnahme von Bewusstein über die letzten ca. 2 - 3.000 Jahre bei den Menschen.

Nach meinem Denken hat heute ca. jeder 100.000sendste Bewusstein.
Vor ca. 2000 Jahren hatte vielleich jeder 10.000sendste Bewusstsein.
In Zukunft dürfte - bei der weiteren Entwicklung der Menschheit und vor allem auch bei der weiteren, einfältigen Entwicklung der Philosophie das "sich bewusst werden" immer seltener werden.



Ulrich H. Rose
* 06.04.1951
vom 08. und 09.08.2011