Über das Wissen und die Wirklichkeit

Vorwort:
Diese Abhandlung ist von meiner Denkleistung und von meinem Denkvermögen her das bisher Komplexeste, was mein Gehirn zustande brachte. Ohne meine früheren Überlegungen, die hier als Links zu finden sind, wäre das Thema für mich nicht durchdenkbar gewesen.

Zur Überschrift:
Mir geht es darum deutlich zu machen, dass die Wirklichkeit sehr einfach definiert werden kann.
Im Zusammenhang mit Wissen – mit viel Wissen, wird es für viele leider nicht einfacher, sondern komplizierter.
Dies hängt u.a. damit zusammen, dass wissensbeladene und wissensüberladene Menschen „ihr Wissen“ auch nur von irgendwo her (aus Büchern, aus den Medien, von Mentoren etc.) beziehen und bezogen.
Das von irgendwo her bezogene Wissen ist nur Wissen, mehr nicht – und wer weiß, ob dieses Wissen, welches man irgendwann für das eigene Wissen hält, richtig ist?

Zur Definition des Begriffes „Wirklichkeit“  siehe Nr. 48 Zur Definition des Begriffes „Wissen“  siehe Nr. 147 + 148 + 149



Unser aktuelles Wissen ist nur ein kleiner und dann wahrscheinlich auch noch unvollständiger Teil der Wirklichkeit.

Nur, welche Bedeutung hat der Begriff „Wirklichkeit“ für uns Menschen?

Die Wirklichkeit ist das Greif- und Begreifbare.
Im Umkehrschluss ist das nicht Greif- und Begreifbare auch nicht wirklich - sprich unwirklich.

Deshalb: Die Wirklichkeit ist das Greif- und Begreifbare.

Diejenigen, die der Wirklichkeit etwas „Unwirkliches“ hinzudichten und andichten wollen, die sind sich des Begriffes „Wirklichkeit“ nicht wirklich bewusst.

Das, was wir – die Menschen – begreifen, das entspricht in etwa unserem Wissen.
Nur, wie viel begreifen wir mit diesem Wissen von der „tatsächlichen Wirklichkeit“*, die sich den Menschen Jahr für Jahr mehr – und Stück für Stück – offenbart?
* die „tatsächliche Wirklichkeit“, das ist etwas Fiktives

Darüber zu spekulieren, wann wir – die Menschen – die „tatsächliche Wirklichkeit“ begreifen werden ist müßig, da dies niemand wissen kann und dies höchstwahrscheinlich nie geschehen wird.

Evtl. weiß dies ein „Überwesen“ welches ein mehr an Informationen (die diese Welt liefert) wahrnimmt und begreifen kann. Nur, auch diesem Überwesen dürften Grenzen des Erfassens der „tatsächlichen Wirklichkeit“ gegeben sein.

Deshalb noch mal: Die Wirklichkeit ist das Greif- und Begreifbare. Nicht mehr und nicht weniger!



Ich schweife kurz ab:

Platon würde, trotz seines „Höhlengleichnis“ ziemlich sicher meine obigen Gedanken nachvollziehen können und mir zustimmen.

Warum dürfte das so sein?

1. Weil diese, meine Überlegungen logisch* sind. (logisch ins Deutsche übersetzt = folgerichtig)

2. Weil Platon, so unterstelle ich, sich sein Höhlengleichnis nur erdacht hatte, um aufzuzeigen, wie sich sein damaliges Denken von dem Denken seiner Mitmenschen unterschied.

3. Weil Platon, so unterstelle ich weiter, denken konnte und er sich evtl. durch strategisches Vorausdenken gegenüber seinen Mitmenschen mittels das Höhlengleichnis erhöhen wollte. Die erhöhende Wirkung hallt bis heute nach und verwirrt immer noch und eher intellektuelle Menschen.

* wenn hier jetzt Jemand mit mir über den Begriff „logisch“ diskutieren möchte, weil dieser Begriff schwammig im Gehirn abgelegt ist, dann empfehle ich erst mal diesen Begriff – ähnlich dem der Wirklichkeit eine vernünftige (= logische) Begrifflichkeit zuzuordnen. Hier läuft dann beim Denken (– wenn man denken kann ->106, 123) eine Zuspitzung ab hinsichtlich des Formulierens des Begriffes „logisch“ durch Logisches.

Leider können nur wenige Menschen denken 107. Viele können oder brauchen nicht denken, weil sie z. Bsp. sehr viel Wissen haben, auf das sie unbewusst zurückgreifen um etwas zu begreifen. Dieses „Begreifen“ ist aber dann nur ein Vergleichen mit dem eigenen Wissensspeicher ohne eigentlichen Denkprozess.

Siehe auch: Wann denke ich = 156 und Die Prinzipien des Denkens = 157-> siehe auch zum Thema Denken: Eigenes Denken. (143) Auszüge aus dem Buch von Albert Schweitzer "Aus meinem Leben und Denken"Die 6 Möglichkeiten des Denkens = 123

Sollte es bei Vielwissern zum Denken kommen, dann ist damit schon mal eine Hürde geschafft – zum Denken hin – nur, wie sieht es psychologisch bei Vielwissern zum Thema Denken aus?
-> siehe „Vielwisser und Vielfresser haben manches gemeinsam“ 142

Zusammengefasst: Durch „Den blinden Fleck des Denkens“ -> 137 sind die Vielwisser häufig nicht in der Lage etwas einzusehen oder verstehen zu wollen – oder, so sehe ich es, auf Grund des „blinden Flecks des Denkens“ verstehen zu können.

Deshalb und aus Vorgenanntem wird der Begriff „logisch“ sich immer einer klaren Definition entziehen.

Es ist „in sich“ unlogisch den Begriff logisch definieren zu wollen.

Wenn hier jemand in irgendeiner Weise zu einem „Schluss“ kommen möchte, der sehe sich die Definitionen zum Begriff „logisch“ und „Logik“ im Web oder im Brockhaus an.

Letztendlich appelliere ich an den „gesunden Menschenverstand“ – an Sie - hier das Richtige gefühlsmäßig zu deuten – da, wie erklärt – rational nicht beschreibbar.



Wieder zum Hauptgedanken zurück:

Ob wir Menschen mit unseren eingeschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten beim Sehen, Fühlen, Hören, Schmecken, Empfinden und dem sich daraus formenden Denken die „tatsächliche Wirklichkeit“ und wie die auch immer sein mag, in ihrer Gesamtheit erfassen können ist stark anzuzweifeln.

Beim Menschen wird die Wirklichkeit zusätzlich durch Wunsch- und Trugbilder, durch Starrsinn, durch Wahrnehmungslücken 137, durch Deutungs- und Interpretationsfehler 144, durch den Glauben an Vorformuliertes und generell durch den Glauben mehr oder weniger stark vernebelt, so dass Menschen die Wirklichkeit sehr unterschiedlich und auch eingeschränkt erleben.

Je mehr jemand an Wissen angehäuft hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich in sein Wissen Fehler eingeschlichen haben.



Vergleich der Menschen mit geringem und hohem Wahrnehmungsvermögen:

1. Menschen mit geringem Wahrnehmungsvermögen werden wahrscheinlich wenig Wissen ansammeln und demzufolge auch die Wirklichkeit verschwommener wahrnehmen.

2. Menschen mit hohem Wahrnehmungsvermögen werden wahrscheinlich viel Wissen ansammeln. Da aber dieses Wissen mit Fehlern behaftet sein kann dürfte die Wirklichkeit nicht unbedingt deutlicher erfasst werden, als bei den Menschen mit geringem Wahrnehmungsvermögen.

Aus Vorgenanntem kann schlussgefolgert werden:

A. Das Erfassen und weiter das Beschreiben der Wirklichkeit bei uns Menschen ist höchstwahrscheinlich sehr unterschiedlich.

B. Es gibt keine Sicherheit zu behaupten, dass ein wissensbeladener Mensch die Wirklichkeit besser erfasst, als ein wissensfernerer Mensch.

Weiter:

C. Da wissensbeladene Menschen mit Intellektuellen gleichzusetzen sind, die wiederum Kapital aus ihrem Wissen schlagen, könnte hier auch wieder Platon mit seinem Höhlengleichnis aufgeführt und bemüht werden.



Feststellungen:

1. Wissen wurde und wird von intellektuellen Menschen, dies sind Vielwisser 142, erdacht und weiter gegeben.

2. Wenn man den Lauf der Geschichte betrachtet sind Vielwisser überwiegend und stark geneigt ihr Vielwissen in Geld und in Macht umzumünzen. Das bedeutet, dass zu B noch zu ergänzen wäre, dass sich dort die macht- und geldgeilen Vielwisser tummeln und nur dort.

Aus A + B und 1 + 2 ist zu folgern, dass die meisten Menschen Wirklichkeit vorgesetzt* und zum Teil auch aufgezwungen bekommen.
* vorgesetzte Wirklichkeit = nicht versteh- und durchschaubar.

D.h., diese vorgesetzte Wirklichkeit muss/kann nur geglaubt werden.



Menschen Typus A:
Sind Wissende, die ihr Wissen nicht aus Wissensspeichern, sondern aus sich selbst durch eigenes Denken beziehen.

Menschen Typus B:
Sind wissensbeladene Menschen, die meistens zuordnen und evtl. noch vergleichen – ohne dabei wirklich zu denken.


Beim Betrachten und Beurteilen von Führungspersönlichkeiten in Firmen und Konzernen, in den Kirchen, in der Politik und leider manchmal auch in den Schulen ergibt sich, dass dort fast nur Menschen des Typus B in Verbindung mit Punkt 2 zu finden sind.

Daraus ergibt sich weiter, dass der überwiegende Anteil der Menschen durch das beeinflussende Wissen der 5-10% Vielwisser und auch die Vielwisser (Typus B) selbst die Wirklichkeit nur eingeschränkt erfassen können.

Das bedeutet weiter für die überwiegende Mehrzahl derer, die diese Abhandlung lesen - und dies sind 99%, dass Sie die Wirklichkeit verschwommen erfassen. Das heißt, sie erfassen eine eingeschränkte Wirklichkeit.

Jetzt bleibt noch der Typus A isoliert zu beurteilen.
Isoliert und hypothetisch aus folgendem Grunde: Damit die Position des Menschen-Typs A ausformuliert wird, obwohl sie nur eine sehr kleine Minderheit darstellen.

Typus A erfasst die Wirklichkeit besser und kommt zu einer größeren Annäherung an die Wirklichkeit, als Typus B.
Typus A kann wohl die Sichtweise von Typus B als falsche Sichtweise mit entsprechenden Argumenten zu begründen versuchen – nur es wird beim Versuch bleiben, da Typus B sein Wahrnehmungsvermögen als richtig empfindet.

Von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet gibt es keine Möglichkeit, dass Typus B den Typus A versteht, geschweige denn überzeugen kann, dass er (Typus B) richtig denkt und aus diesem Denken heraus richtig schlussfolgern kann, um die Wirklichkeit zu begreifen/zu verstehen.

Von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet gibt es keine Möglichkeit, dass Typus A den Typus B überzeugen kann, dass er richtiger denkt und aus diesem Denken heraus richtiger/besser schlussfolgern kann, um die Wirklichkeit besser zu begreifen/zu verstehen.



Zusammenfassung:
Wissen wird von einer geringen Anzahl von Menschen erdacht und meistens auch (aus-)genutzt.
Vielwissende Menschen geben ihr Wissen an andere (weniger wissende) Menschen weiter.
Es kommt auch vor, dass Wissen den Menschen übergestülpt wird.

Fragen, die sich ergeben:

1. Gibt es Werkzeuge/Hilfsmittel für Typus A + B, um sich der Wirklichkeit größtmöglich anzunähern?

2. Wenn es solche Werkzeuge/Hilfsmittel gäbe, würde dass das Verständnis untereinander vergrößern?

3. Würden Typus A und vor allem B solche Werkzeuge/Hilfsmittel akzeptieren oder haben wollen?

Resümee:
Wer sich die Fragen einigermaßen beantworten kann, der wird evtl. auch zu dem Ergebnis kommen, dass es nahezu aussichtslos ist, dass sich etwas am gegenwärtigen Zustand dieser Erde mit den Kriegen und der (Umwelt-) Zerstörung ändern wird.
- der Prozess hin zur Vernunft der Menschen (= nicht nur an sich, sondern auch an die Anderen zu denken) ist ein äußerst zäher, der nicht von der Minderheit des Typus A überzeugend geführt und umgesetzt werden kann.

Eine Lösung aus diesem Dilemma sehe ich nicht.

Eine Lösung aus diesem Dilemma zu entkommen wäre, das Roboter die Herrschaft über uns Menschen übernehmen würden.
Nur, wer programmiert diese Roboter? – Menschen – und das ist das Problem an sich.

Eine weitere Lösung wäre, dass man uns Menschen einen Chip ins Gehirn einpflanzt, der alles Aggressive nicht in uns hochkommen lässt.

Schlussbetrachtung:
Die Wirklichkeit ist das Greif- und Begreifbare. Nicht mehr und nicht weniger!

Wer in die Wirklichkeit (auf Grund seines Vielwissens oder auch auf Grund seines Geringwissens) mehr rein interpretiert – als das selbst Greif- und Begreifbare, der tut sich schwer mit allem, mit der Wirklichkeit und mit dem Akzeptieren.



Letztendlich
möchte ich nicht auch noch zusätzlich zum Thema Wirklichkeit Verwirrung gestiftet haben, wenn man diese gesamte Abhandlung zusammen mit der Schlussbetrachtung vergleicht.
Richtig, es gibt klare Wirklichkeiten für jeden von uns, die einfach (und dieses gilt für Jeden) festzustellen sind, indem jeder seine Umwelt begreift und nichts Unwirkliches hinzu interpretiert.

Nur, damit bin ich nicht viel weiter, als andere Denker, oder?

Jetzt gilt es noch auszuloten, inwieweit Jemand sicher sein kein, dass er die = seine Wirklichkeit auch soweit erfassen kann, dass sie, diese Wirklichkeit eine Allgemeingültigkeit haben könnte.

Allgemeingültig heißt, dass von den Wahrscheinlichkeiten her betrachtet, eine höchstmögliche Stimmigkeit mit der Außenwelt gegeben ist.

Allgemeingültigkeit heißt hier ganz und gar nicht, dass evtl. ein Großteil oder ein mehrheitlicher Anteil der Menschheit die Wirklichkeit so oder so erfasst haben will.

Wenn die Masse meint, dass die Wirklichkeit so oder so ist, dann ist das kein Beleg für die Gültigkeit dieser Feststellung.
Beispiele aus den letzten Jahrhunderten gibt es zuhauf, wie: Die Erde ist eine Scheibe, die Erde ist das Zentrum, die Sonne ist das Zentrum, es gibt Gott, es gibt Götter, u.s.w., u.s.w.

Die Lösung zu diesem Thema habe ich vor fast 10 Jahren erdacht mit „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ 48.

Mit „Wie wirklich ist die Wirklichkeit“ wurde im November 2001 die Saat ausgebracht, die mich ca. 1 Jahr später erkennen ließ, dass es zu oder besser vor dem Grundwert „ehrlich sein“ noch etwas gibt, das „zugeben können“
-> zugeben können 53 + Ergänzungen zu dem Grundwert „ehrlich sein“ 45, + 19 vom Aug. 2002

Nach ca. 8 Jahren Nachdenkens und Beobachtens der Umwelt zum Thema "zugeben können" war ich im Herbst 2010 endlich soweit diese Erkenntnis 61 zu veröffentlichen.

Damit ist eigentlich alles gesagt und aufgeschrieben und nach meinem Denken rund und in sich schlüssig.

Wer anderer Meinung ist, der sage Sie mir unter: ulrich.rose@rotil.de



Ulrich H. Rose

* 06.04.1951
vom Anfang Januar 2011
und fertiggestellt am 01.02.2011