Vorab:
Nach meinen Überlegungen sind nur wenige Menschen in der Lage zu denken.

Dies hat verschiedene Ursachen:

A. Generell ist das System Mensch darauf ausgelegt Energie zu sparen – auch im Gehirn.

B. Denken erfordert ein Erhebliches an Energie und strengt an. Im Normalzustand verbraucht das Gehirn ca. 20% der Gesamtenergie.

C. Das „scheinbare Denken“ übernimmt beim Menschen das Stammhirn durch Schaffen von Befriedigung für den Körper. Dieses Schaffen von Befriedigung durch Essen, Trinken, Fortpflanzung, Schlaf, Macht und Geld erfordert „scheinbares Denken“, um die Befriedigung zu erreichen. Die Schaltzentrale für dieses „scheinbare Denken“ ist nicht das Großhirn, sondern das Stammhirn. Das Großhirn arbeitet nur weisungsbezogen.

D. Richtiges, unabhängiges Denken – nur mit dem Großhirn – ist nicht von der Natur vorgesehen gewesen. -> siehe C

E. Es sei denn, jemand kann denken (dies sind unter 1% der Bevölkerung) Dieser Werdegang „zum Denken hin“ ist ein schwieriger Weg, der einiges an Anstrengungen erfordert. -> siehe A + C


Denken: Die 6 Möglichkeiten des Denkens


Das Denken steigert sich in 6 Stufen:

1.
denken = verstehen --> siehe auch Nr. 106 "über das Denken" und Nr. 107 "Der Sinn des Denkens"

2. mitdenken = die Anderen in ihrem Denken auch und mit zu verstehen

3. nachdenken = über 1 + 2 reflektierend denken (nicht zu verwechseln mit dem „etwas Nachdenken“ D.h., etwas Vorgedachtes nochmal nachdenken oder nachplappern -> siehe dazu auch Nr. 169 und Nr. 170 über Plagiate in Doktorarbeiten)

4. überdenken = über 3 kontrollierend nachdenken

5. vordenken = mit den Erfahrungen aus 4 Bevorstehendes fiktiv und unterstellend überdenken

6. erdenken = entspanntes Denken

Ich bin sicher, viele werden hier noch weitere Unterteilungen und weitere Möglichkeiten des Denkens finden. Wer hier Ergänzungen hat, den bitte ich um die Zusendung dieser Ergänzungen und Hinweise an ulrich.rose@rotil.de

Insgesamt ging es mir nur darum aufzuzeigen, dass schon alleine das Denken sehr differenziert betrachtet werden kann.

Meiner Ansicht nach sind wir Menschen zum Denken folgendermaßen aufgestellt:

1.
Fast alle Menschen können denken – dies ist eher ein Verstehen und kein Denken

2. Nur ca. 0,001% der Menschen können nachdenken. --> siehe Nr. 10 die 6 Reflexionen

3. Nur sehr wenige Menschen können die Stufen 4 bis 6 denken. Einer der wenigen Menschen war z. Bsp. Albert Einstein.


Ulrich H. Rose
* 06.04.1951
vom 30.10.2009


Heidegger über das Denken:

"Das bedenklichste in unserer bedenklichen Zeit ist, dass wir noch nicht denken! ... In das, was Denken heißt, gelangen wir, wenn wir selber denken. Damit ein solcher Versuch glückt, müssen wir bereit sein, das Denken zu lernen. Sobald wir uns auf dieses Lernen einlassen, haben wir auch schon zugestanden, dass wir das Denken nicht vermögen." (Heidegger - "Was heißt Denken?")